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Chronik des Naumburger Karnevals

79 Jahre ist die Karnevalsgesellschaft Naumburg gerade alt geworden. Als sie am 21.02.1934 von 13 närrischen Naumburgern im Hessischen Hof gegründet wurde, konnte man nicht ahnen, dass Jahrzehnte später der Naumburger Karneval so etwas wie ein Gütesiegel auf diesem Gebiet für Nordhessen werden sollte.

Karneval gab es in Naumburg schon Jahrzehnte vor dieser Vereinsgründung und im Hessischen Hof wurden Maskenbälle und Kostümfeste schon über viele Jahre hinweg gefeiert. Franz Kramer schreibt dazu in seinem Beitrag für die Festschrift zur 800-Jahrfeier von 1970: "Immer wieder fanden sich junge und alte Leute, die ihre närrische Unruhe nicht mehr bändigen konnten, die sich unbedingt verkleiden, in eine Maske schlüpfen mussten, um mit ihren Späßen und lustigen Streichen die übrige Bevölkerung zu ergötzen und zu erheitern.

In späteren Zeiten nahmen sich die Vereine des Fastnachtsfestes an, sie veranstalteten Kappen- und Kostümbälle sowie Theaterabende und machten in den Theaterkostümen die ersten Fastnachtsumzüge durch unsere Stadt.

Die historischen Figuren der Naumburger Fastnacht sind:
1.der Tanzbär, Zusselbär, dargestellt von einem Mann "im Schuttengebund, ohne das wär er geschlahn wingelweich und wund" (aus einem alten Naumburger Karnevalsgedicht);
2. der Narr, im Volksmund "Hansnarr", "im Kleide von lutter bungen Lappen un mit singer hichsten vun allen bunten Kappen" (aus demselben Gedicht). Er lebt weiter im Prinzen Karneval, seine hohe bunte Mütze ist zur Prinzenmütze geworden, seine Peitsche zum Prinzenzepter mit Bändern und Glöckchen."

Die Initiatoren um Franz Kramer und Henner Dux (Kaffee-Dux) wollten Karneval wieder zu einem Fest für die ganze Bevölkerung machen. Dabei war es für sie eine Ehrensache, dass man den Naumburger Karneval nur mit eigenen Mitteln und einheimischen Kräften gestalten wollte. Dieser Grundsatz wurde seitdem immer befolgt. Er hat maßgebend zur Urwüchsigkeit und Bodenständigkeit unseres Karnevals beigetragen.

Franz Kramer wurde zum Präsidenten des neuen Vereins gewählt und der damalige Bahnhofsvorsteher Heinrich Müller wurde als "Heinrich I" Naumburgs erster Karnevalsprinz. Schon zehn Tage später bewegte sich am Rosenmontag zum ersten Male ein prächtiger Fastnachtszug durch Naumburg. Mit vielen Wagen- und Fußgruppen wurden örtliche Ereignisse glossiert und auf die Schippe genommen. Als erste Bürgergarde hatte seinerzeit die Freiwillige Feuerwehr unter ihrem Kommandanten Crescens Rabanus mitgewirkt. Dieser erfolgreiche Start beflügelte die Gründer und bescherte ihnen einen Zulauf, mit dem sie nicht gerechnet hatten.

In der kommenden Session gab es deshalb mehrere Neuerungen, die weitgehend auch heute noch zum Ritual der närrischen Jahreszeit in Naumburg gehören. Auf Vorschlag von Henner Dux wurde "Hahl Dunne" (Halte fest) zum Naumburger Karnevalsgruß kreiert. Weit über die Grenzen Naumburgs hinaus ist dieser "Schlachtruf" heute bekannt. Das von Franz Kramer gedichtete und von seinem Bruder Dr. Ernst Kramer vertonte Lied "In Numburg, do es Karneval" wurde 1935 erstmals gesungen. Damals erhielt die Bürgergarde auch ihre Fahne mit dem närrisch ausgestalteten Stadtwappen. Der Entwurf hierfür kam ebenfalls von Franz Kramer.

Für 1937 ist eine Prinzengarde verzeichnet, mit der die weibliche Jugend Naumburgs in die bisher vom männlichen Geschlecht dominierte Naumburger Fastnacht eindringen konnte. 1939 erschien die erste Ausgabe des "Numburger Sichedibbens" als offizielles Organ der Naumburger Karnevalsgesellschaft. "Schriftleiter" waren damals Joachim Barbrock und Franz Kramer.

Über "Nuches ussem Numburger Sichedibben" wird seit über 30 Jahren in der ersten Fremdensitzung eines jeden Jahres berichtet. Diese, mittlerweile zu einer festen Einrichtung des Naumburger Karnevals gewordene Tradition, wurde von Heinz Gestrich begründet. Nach 12 Jahren übernahm sie Joachim Jacobi, der nunmehr seit 20 Jahren über alles berichtet, was in Naumburg so vor sich geht.

Während des zweiten Weltkrieges war an Karnevalsveranstaltungen nicht zu denken. Da hatten auch die Naumburger andere Sorgen. Erst 1949 hatte sich die Karnevalsgesellschaft wieder mit einem Kostümball am Fastnachtssonntag und einem Kinderfastnachtszug am Rosenmontag zurückgemeldet.

1950 gab es dann wieder einen Elferrat, närrische Sitzungen und einen Rosenmontagszug. Erster Nachkriegsprinz war in diesem Jahr, der damalige Leiter des Forstamtes Naumburg, Forstmeister Friedrich von Trott zu Solz als Prinz Boppi I.

Von da an entwickelte sich die Karnevalsgesellschaft stetig bergauf. Die Besucherzahlen bei Veranstaltungen wuchsen von Jahr zu Jahr und auch das weibliche Element kam mehr und mehr zum Zuge. 1959 wurde mit Helma I (Helma Dux) erstmals eine Prinzessin inthronisiert. Seitdem wird der Naumburger Karneval nach außen hin von einem Prinzenpaar repräsentiert. Das Prinzenpaar ist zuständig für die Einsetzung des Hofstaates.

In den 60er Jahren gaben die Frauen der Gymnastikabteilung des TSV Eintracht Naumburg den Anstoß für die Gestaltung der Weiberfastnacht, die heute ein fester Bestandteil der närrischen Zeit ist. Dazu gehört auch der Altweiberball am Donnerstag vor Fastnacht.

1986 wurde mit Prinz Daniel I (Daniel Ozga) und Prinzessin Barbara I (Barbara Meier) das erste Kinderprinzenpaar eingeführt. Mit einem eigenen Kinderelferrat und Kindergarden ist das Kinderprinzenpaar seitdem für die Gestaltung des Kinderkarnevals verantwortlich.

Zum unverzichtbaren Bestandteil des Naumburger Karnevals gehören einige weitere Veranstaltungen. Da ist zum einen der "Tag der Bürgergarde" am Samstag vor Fastnacht. Gemeinsam mit der Stadtkapelle zieht die Bürgergarde von Haus zu Haus. Es werden Ständchen gespielt und Würste gesammelt (in der heutigen Zeit werden die Würste oftmals auch durch Geldspenden ersetzt). Am Vormittag des Rosenmontags erfolgt der Sturm auf das Rathaus, Bürgermeister, Magistrat und Bedienstete der Stadt werden in Ketten abgeführt. Beim Zug durch mehrere Gaststätten haben sie Gelegenheit, sich mit "Runden" freizukaufen. Anschließend an den Rosenmontagszug ist das Haus des Gastes Treffpunkt für den "Narrentanz". Der Fastnachtsdienstag beginnt mit einem Besuch im Kindergarten und einem Umzug mit den Kindern. Mit dem Abschlussball am Abend klingt die Session um Mitternacht aus.

Während in der Vorkriegszeit die Veranstaltungen überwiegend im Hessischen Hof, aber auch in den anderen Naumburger Gaststätten stattfanden, war von 1950 an die Stadthalle im Burghain der Hauptort des närrischen Geschehens. Mitte der 60er Jahre entwickelte sich der Besucherandrang so, dass auch bei zwei Fremdensitzungen diese Halle immer überbesetzt war. Schon mehrere Stunden vor Beginn der Veranstaltungen wanderten die Gäste zum Burghain, um noch einen Platz zu ergattern. Bis zur Eröffnung um 20.11 Uhr waren diese Gäste dann schon zumeist in "Hochform".

Von 1987 an durfte die alte Stadthalle aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht mehr für Veranstaltungen im Winterhalbjahr benutzt werden. Guter Rat war damals teuer. Ein anderer Saal in mindestens gleicher Größe war in Naumburg nicht vorhanden. In die Mehrzweckhalle im Stadtteil Elbenberg wollten die Naumburger Karnevalisten nicht ausweichen. Also entschloss man sich, auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei am Hattenhäuser Weg ein angemietetes Zelt aufzustellen. Dort fanden dann mehrere Jahre die Fremdensitzungen, die Weiberfastnacht und auch der Kinderkarneval statt. Seit der Session 1991/92 spielt sich dies nun alles im neuen Haus des Gastes ab.

Sinn und Zweck der Naumburger Karnevalsgesellschaft sind, nach ihrer Satzung, die Erhaltung des altüberlieferten Naumburger Karnevals und seine Ausgestaltung zu einem echten Heimatfest. Das karnevalistische und kulturelle Brauchtum soll gepflegt und gefördert werden. Darüber hinaus sind weitere Aufgaben, die Stärkung des Gemeinschaftssinns durch Pflege alten Brauchtums, echter Geselligkeit und bodenständigen Humors, sowie die Kritik unliebsamer, der Stadt abträglicher Zustände. Diese Aufgaben hat die Naumburger Karnevalsgesellschaft in den 66 Jahren ihres Bestehens erfolgreich wahrgenommen und wird mit allen Kräften dies auch künftig tun.

Naumburger Karnevalsgesellschaft 1934 e.V. · Paterapfelweg 9 · 34311 Naumburg | Impressum